Montag, 14. Februar 2011

Widerstand

Der christliche Widerstand gegen den Nationalsozialismus weist bedeutende Namen aus Schlesien auf. Über das mutige Wirken und Eintreten des aus dem niederschlesischen Ohlau stammenden Domprobsts Bernhard Lichtenberg gegen den Nationalsozialismus werden wir im Buch Näheres erfahren. Dem aus Breslau gebürtigen Pfarrer Joseph Lenzel, der sich für polnische Zwangsarbeiter einsetzte und im KZ Dachau ermordet wurde, waren wir bereits im Zusammenhang mit dem Hedwigsfriedhof 3 in Reinickendorf begegnet. Ebenfalls für polnische Zwangsarbeiter engagierte sich der Pfarrer August Froehlich.
Gedenktafel August Froehlich in Rudow
Foto: © www.wikipedia.de
Geboren im oberschlesischen Königshütte kam er während der Inflationszeit als Kaplan nach Berlin, wo er einen Großteil seines väterlichen Vermögens und seines Einkommens für notleidende Familien aufwendete. Während der NS-Zeit geriet er mit den Machthabern zunächst durch Verweigerung von NS-Geldsammlungen in der Kirche und des Hitlergrußes aneinander. Nachdem er Misshandlungen von polnischen Zwangsarbeitern zur Anzeige gebracht hatte, wurde er inhaftiert und starb 1942 im KZ Dachau. Eine Straße in Berlin-Rudow ist nach ihm benannt und einige Gedenktafeln an verschiedenen Berliner Kirchen erinnern an seine mutigen Taten.

Gedenktafel Friedrich Weißler
Foto: © www.wikipedia.de
Die wichtigste Figur des evangelischen Widerstands, also der Bekennenden Kirche, war der Breslauer Dietrich Bonhoeffer, der im Buch ausführlicher erwähnt werden wird. Auch Helmuth James Graf von Moltke aus Kreisau, Mitglied des Kreisauer Kreises, gehörte zur Bekennenden Kirche. Er wurde 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Ein weiteres Mitglied des evangelischen Widerstands war der Landgerichtsdirektor Friedrich Weißler aus Königshütte, der als Mitverfasser einer Protestschrift an Hitler bereits 1937 im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Eine Tafel an seinem Wohnhaus Meiningenallee 7 in Berlin-Westend erinnert an diesen unerschrockenen Juristen.

Ein heute noch recht bekannter Schlesier aus dem Umkreis der Bekennenden Kirche, der das NS-Regime überlebte, war Heinrich Albertz, 1915 in Breslau geboren. Albertz studierte in Breslau, Halle und Berlin Theologie und besuchte illegale Vorlesungen der Bekennenden Kirche. Ab 1939 war er als Vikar in Breslau und in Kreuzburg/Oberschlesien tätig. Ein Fürbitte-Gottesdienst für den im KZ festgehaltenen Pastor Martin Niemöller brachte ihm während des Zweiten Weltkriegs eine Festungshaft in Glatz ein. Nach dem Krieg wurde er niedersächsischer Minister für Flüchtlingsangelegenheiten und Vertriebene. 1955 wechselte er als Leiter in die Senatsverwaltung für Volksbildung nach Berlin, wurde Chef der Staatskanzlei und später Innensenator. Als Nachfolger Willy Brandts wurde Albertz 1966 zum Regierenden Bürgermeister gewählt, trat jedoch nach der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg während einer Protestdemonstration gegen den Besuch von Schah Reza Pahlevi durch einen Polizisten 1967 zurück. Er lebte bis zu seiner Pensionierung 1979 als Pfarrer in Berlin-Schlachtensee und wurde zu einem der profiliertesten Köpfe der Friedensbewegung. Der Heinrich-Albertz-Platz in Zehlendorf ist nach ihm benannt.

Fortsetzung am kommenden Donnerstag.

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